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Namibia - eine Nachlese
30.06.2011, 12:00 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 30.06.2011 12:29 von JUKoehler.)
Beitrag: #1
Namibia - eine Nachlese
Liebe Füchse-Freunde,

vor einer Woche sind wir nach 3 Wochen Südnamibia angekommen - unsere Körper, der Geist schwebt diesmal noch ziemlich lange da unten herum.

Viele von Euch wissen ja, dass ich auf der Farm Kanaan ein Teleskop aufbauen wollte. Nun, es ist vollbracht, es läuft und wartet nun darauf, fleißig benutzt zu werden.
Ich selber werde Ende September / Anfang Oktober nochmal für ein paar Tage runterreisen um z.B. exakter einzusüden (das war in meiner letzten Nacht mit der Mondfinsternis nicht mehr zu schaffen)

Was ich sonst noch erlebt habe, will ich nun ganz kurz berichten. Wenn Du etwas Geduld beim Download hast (3-5 Minuten) dann schaue Dir auch meine Diashow mit Ton und Erläuterungen hier an.
Ausserdem eine Galerie mit einigen Fotos auf dieser Seite.

Ich bin ja mit Neumond eingereist und eine Woche nach Vollmond wieder ausgereist. In der ersten Woche haben wir auf einer Farm im Norden bei Freunden gewohnt und mitgefarmt. In dieser Zeit habe ich mich astronomisch nur auf Großfeldaufnahmen beschränkt. Ausserdem musste noch das 10-kg Gegengewicht für die später zu errichtende Montierung gebaut werden, da ich das nicht mehr in unseren 60kg Reisegepäck mitnehmen konnte. Wir hatten nur unsere Sachen am Leibe, alles andere war Equipment.....
Aus einem gebrochenen Windrad habe ich schließlich die Nabe ausgebaut. Um das 50mm große Zentralloch auf 18mm Durchmesser der Gegengewichtsstange zu bringen habe ich mit Hilfe meines Freundes eine Vorrichtung zusammengeschweißt. Ich behaupte nun, eines der extravagantesten Gegengewichte zu haben.... Foto weiter unten.

[Bild: IMG_0023.jpg]

Schon in der ersten Nacht, vielleicht eine Stunde nach sunset war ich draußen und sah am Westhorizont das Zodiakallicht (rechte Säule). Links daneben stößt die Milchstraße an den Horizont. Ich befinde mich hier auf dem minus 23. Breitengrad, die Ekliptik neigt sich also nach Nord (= Verlauf des Zodiakallichtes)

[Bild: IMG_0034.jpg]

Du kannst Dich hier bei sonst totaler Dunkelheit, 1.300 Meter Höhe, 0% Luftfeuchte und unendlich weiter Sicht, bei bestem seeing einfach nicht sattsehen... Im Vordergrund das Dachzelt meines 4x4 Toyota, in dem wir die nächsten Wochen umherreisen werden.

[Bild: IMG_0417.jpg]

Die Klippschliefer (kaum zu glauben, dass es nahe Verwandte der Elefanten sind) haben uns oft begleitet - dieser hier ist mit seinem jugendlichen Leichtsinn doch schon ziemlich keck....

Im südlichen Namibia wird der Köcherbaum immer häufiger über 1000 Meter angetroffen. "Köcher" deswegen, weil die Ureinwohner (San - das sind die Buschleute, die in ihrer Sprache so viele Klicklaute verwenden) aus den Ästen die Pfeilköcher gebaut haben. Etwas unterhalb des rechten Astes ist die große Magellan´sche Wolke zu erkennen.

[Bild: IMG_0535.jpg]


In diesem Jahr gab es in Namibia eine sehr aussergewöhnlich starke und sehr, sehr lange Regenzeit. Einige Pad´s (so nennen sich dort die Schotterpisten) standen noch unter Wasser. und das in einer der trockensten Wüsten der Welt. Die Folge davon aber auch, dass die Wüste blüht. Vor einem Jahr stand ich an eben dieser Stelle auch - damals war kein einzigher Halm zu sehen. Ausser Schotter und feinstem Sand nichts. Und auch nichts, was auf Leben deuten würde.
Ich denke, dass diese Aufnahme schon etwas Seltenes ist:

[Bild: IMG_0805.jpg]

Unmittelbar hinter dem Blütenfeld fällt die Erde gut 190 Meter senkrecht in den zweit tiefsten Canyon der Welt ab - Fishriver Canyon.

Auf der Weiterfahrt sahen wir am Horizont von Norden kommend eine beängstigende Wetterfront aufziehen.

[Bild: IMG_0902.jpg]
Bei uns hatte es nur geregnet, aber wir hörten am nächsten Tag, dass es in der 200 km entfernten Kalahari an diesem Tage geschneit hatte - das gab es wohl schon lange nicht mehr.

Weiter ging die Reise entlang der Grenze nach Südafrika (am Oranje-Fluß entlang) nach Westen, 120 Kilometer durch die Namibwüste. Das Wetter hatte sich schnell beruhigt und so waren die Sonnenuntergänge wieder vom Feinsten. Sooft ich aber hingeschaut habe, einen "grünen Blitz" an der untergehenden Sonne, nach dem ich schon so lange suche, konnte ich nie erkennen.

[Bild: IMG_1121.jpg]

Wir haben die Nächte in unserem Dachzelt immer sehr genossen. Auch wenn die Temperatur hin und wieder auf -8 Grad in der Nacht absank, gefroren haben wir nie. Hier stehen wir völlig alleine am Diaz Point bei Lüderitz. In der Nähe begann die Ära der Deutschen Kolonialisierung zu Deutsch-Südwestafrika.

3 Tage später sind wir dann auf Farm Kanaan angekommen, die ich mir schon vor einem Jahr als günstigsten Standort für eine Teleskop ausgesucht habe. Hermi - der Eigentümer - ist hoch motiviert und war ganz verrückt nach einem Teleskop. Nun sollte es soweit sein.
Zusammen mit einem Farmangestellten (ein sowas von zähem Buschmann) habe ich also ein 150 x 150 x 150 cm großes Fundament ausgehoben - glaubt mir, das war bei diesem fest gepressten Schottergrund und bei gut 35 Grad Mittagshitze kein Ponnyhof-Vergnügen mehr. Darin habe ich ein 30 cm PVC-Tubus versenkt, alles mit Beton und Schotter aufgefüllt und zum Trocknen ausgerichtet.
Die Montierungsadapter wurden mit stärkerem Beton eingegossen und pünktlich zur Nacht der Mondfinsternis am 15.06.2011 war alles fertig. Ich wollte die Montierung noch exakt einscheinern, aber der Trubel zur Eröffnung war mir dann doch zu stressig.

[Bild: P1010533.jpg]

[Bild: P1010536.jpg]
Nordwestlich vom Teleskop steht der alte Turm eines Brunnens. Dieser Turm wird in den nächsten Wochen gekappt und zu einer Rolldachhütte über das Teleskop umgebaut. Der Brunnen bekommt dann auch eine elektrische Pumpe zur Wasserversorgung an diesem Standort (er ist gut 800 Meter vom Farmhaus entfernt). Die Energtie für diese Pumpe wird mit einer Fotovoltaik-Anlage erzeugt, die gleichzeitig die Akkus für die Astronomie mitladen wird.

[Bild: P1010539.jpg]

Nun zu meinem ganzen Stolz: das Kontergewicht....
[Bild: P1010541.jpg]

So ist das Gerät fertig montiert (einschl. MGEN am 8x50 Sucher)

In der folgenden Nacht nun das first light mit den Farmern, anderen Gästen und meine liebe Frau, wegen noch zu grober Einsüdung allerdings noch keine vorzeigbaren Ergebnisse.

Sehr beeindruckend dann aber die Mondfinsternis. Es war zunächst eine sehr helle Vollmondnacht - eben eine dieser Nächte, in der Du tatsächlich ohne weiteres Licht Zeitung lesen kannst. Dann, etwa 35 Grad über Horizont beginnt sich der Erdschatten, von unten rechts über dem Mond auszubreiten. Innerhalb der nächsten Stunde verschwindet der Mond und ist nur noch schwach als kupferrote Scheibe erkennbar. Der Hammer aber: Du siehst plötzlich wieder die prächtige Milchstraße in voller Helle. Mittendrin, nun schon fast im Zenit, im Skorpion, nahe Trifidnebel erkennst Du gerade noch den Mond... Gänsehaut !!!!

[Bild: IMG_2287-Bearbeitet.jpg]
Schade, dass ich nur von einem festen Stativ ohne Nachführung fotografiert habe... das Teleskop war ja noch auf der Montierung....

Am nächsten Abend war er wieder heile...
[Bild: IMG_2461.jpg]
Seht nur das Streiflicht an den Sträuchern am Horizont....

Hier ein Blick in die Region, in der das Teleskop jetzt steht (Abendlicht):

[Bild: P1010520.jpg]

Blick am nächsten Tag von Südost aus auf den Standort
[Bild: IMG_2326.jpg]

Zwei Großfeldaufnahmen der ersten Nächte will ich auch noch vorstellen.
Aufgenommen mit der Canon 40D (unmodifiz.) und 200mm Zoom, Guiding mit MGEN (dolles Gerät !!) an 8x50 Sucherfernrohr. Das alles auf der HEQ5 auf antiquarischer Bosch-Werkbank des Farmers Rolleyes

[Bild: M20_2011_06_01.jpg]

[Bild: ngc6634_ziel.jpg]

Hier das Setup zu diesen Aufnahmen:
[Bild: P1010241.jpg]

Was aber diese Kiste mit Astronomie zu tun hat, und die am Ende z.B. dafür gut ist, dass eine Ente so lecker schmeckt, will ich dann ein anders mal erzählen.
[Bild: P1010244.jpg]


Viele weitere Namibia-Bilder über die eingangs genannten beiden LINK´s.
So, genug für heute, ich muss wieder in mein Krankenlager.
Bis bald mal wieder
Jens-Uwe
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30.06.2011, 21:44
Beitrag: #2
RE: Namibia - eine Nachlese
Hallo Jens- Uwe,

.... tja, was soll man sagen,......es ist einfach nur schön Deine Aufnahmen anzuschauen. Cool ist natürlich die Weite des Landes und dann steht da einfach so ne Säule mit Equipment oben drauf.
Ich seh´s schon kommen, es wird wohl nicht lange dauern bis ich Dich begleite. Blob


LG
Frank


PS: Gute Besserung was Deine Gesundheit betrifft. krankkrank
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30.06.2011, 23:22 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 30.06.2011 23:38 von Gorden.)
Beitrag: #3
RE: Namibia - eine Nachlese
Hallo Jens-Uwe,

mir fehlen die Worte. Wunderschoen.

Danke fuer deinen Bericht. You made my day.


Gorden

Gute Besserung.
Habe gerade deine Dia- Show gesehen und naja, mir faellt immer noch nichts ein ausser: wunderschoen.

Noch mehr gute Besserung.

Gorden
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01.07.2011, 08:23
Beitrag: #4
RE: Namibia - eine Nachlese
Hi Jens-Uwe Smile

Erstmal, schön das Du wieder heil da bist.

Und dann haste ja was angerichtet, ist wie ein zweitesmal durch das Land fahren.

Und wie sich die Stellen ähneln irre

http://www.bildercache.de/anzeige.html?d...19-357.jpg


Danke für Deine schönen Bilder Blob

Gruß Ronald Schaf
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01.07.2011, 17:00 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 01.07.2011 17:18 von JUKoehler.)
Beitrag: #5
RE: Namibia - eine Nachlese
Lieben Dank für die Kommentare,

es freut mich sehr, dass es gefällt.

Hier ein Panoramabild von einer Ebene auf Kanaan. Das Farmhaus und etwas weiter links das Teleskop sind ganz am linken Bildrand (hier allerdings nicht mehr zu erkennen, da etwa 6 Kilometer entfernt).

Hoffentlich fällt jetzt gleich das Forum nicht auseinander...

1 = Farmhaus
2 = Teleskop

[Bild: Kanaan_Panorama_sma_afl.jpg]

Dank strengster Bettruhe und braver Befolgung ärztlicher Maßnahmen (krank sowie kalt, geht es mir heute wieder ganz o.k.... Borg )

LG
Jens-Uwe
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01.07.2011, 20:14
Beitrag: #6
RE: Namibia - eine Nachlese
Hi Jens- Uwe,

wirklich sehr beeindruckend, dieser Rundumblick. Wieviel Grad sind es denn insgesamt?
Schön das es Dir besser geht!!

Gruß Frank
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01.07.2011, 21:37
Beitrag: #7
RE: Namibia - eine Nachlese
Hi Frank,

hier stecken 11, mit 200 mm Brennweite aufgenommene Freihand-Bilder darin. Der Winkel ist insgesamt nur ca. 30 Grad (ich überlappe bei Panoramaaufnahmen immer gut 1/3 der Bilder).

LG
Jens
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03.07.2011, 11:48
Beitrag: #8
RE: Namibia - eine Nachlese
Hi Jens-Uwe Smile

Schickes Pano, aber 30 Grad???
Du meinst sicher 130 Grad ansonsten braucht man doch kein Panorama.

Welches Programm nimmst Du zum montieren?

Gruß Ronald Schaf
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03.07.2011, 12:45
Beitrag: #9
RE: Namibia - eine Nachlese
Hallo Jens-Uwe, hallo Roledo,

ich hab mich über die angegebenen 30 Grad auch gewundert und finde Roledos 130 Grad auch schon besser, da man im rechten Panoramateil ja auch den Eindruck gewinnt, hinter sich zu schauen.
Was ist nun richtig???

Gruß Frank
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03.07.2011, 14:23
Beitrag: #10
RE: Namibia - eine Nachlese
Hallo Ronald,

eine sehr gute Frage, die Du da stellst, die mich lange nachdenken ließ.
Um es vorweg zu nehmen, der Gesamtwinkel beträgt gut 25° !

Wie das?
Ich habe das Foto aus einer schmalen Spalte heraus aufgenommen und sehe da ganz hinten das Farmhaus (lt. GoogleEarth 9 km Entfernung).

Daher setze ich das Teleobjektiv mit 200mm Brennweite ein. Welchen Winkel bildet aber nun dieses Objektiv ab? In den Datenblättern finde ich immer nur den Wert bei 70mm (29°).
Also habe ich gerade mal bei genau 3 m Abstand zur Wand einen Bilderrahmen im Sucher formatfüllend eingestellt. Mit Hilfe des Sinussatzes konnte ich berechnen, dass das Gesichtsfeld des Objektives bei 200mm-Einstellung in horizontaler Messung gut 6 Grad klein ist.

11 Landschaftsaufnahmen, die an den Rändern zu 30% überlappen (je 1/3 von 6 Grad (=2°) eines Bildes bleiben effektiv für das Panorama übrig) ergeben somit 11 mal 2° = 22° gesamt.

Zurück zur Astronomie: wie berechne ich das Gesichtsfeld meine 200/1000 Newton, wenn ich mit meiner EOS 350d fotografiere?
(die Formel 2 * arctan (Feldblende / (2 * Teleskopbrennweite)) funktioniert ja hier nicht, da ich ja kein Okular, sondern die Kamera anwende....

Ausmessen an einem früheren Foto... das ginge. Aber ich würde es gere mal berechnen wollen.

Also Ronald.... da kannste mal sehen, was Du da angestellt hast Blob

LG
Jens-Uwe
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